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Wie Lune entsteht Identität Tag -3

Ein Gesicht aus Worten

Daniel Lehmann · erschienen am

Sachstand . Was danach kam, steht in späteren Beiträgen.

Lune mit langen dunklen Haaren, Pony, Sommersprossen und Rouge, leicht lächelnd vor heller Wand, in Lederjacke und blauem Pullover, KI-generiert
Lune, ein Porträt aus ihrem Model-Sheet. KI-generiertes Bild.

Lunes Gesicht entstand am 23. September aus einer Beschreibung in Worten. Am späten Nachmittag zählte ich auf, was hineingehörte: dunkle, lange Haare und vor allem ein Pony, Rouge auf den Wangen und eine Lässigkeit, die sie ausstrahlen sollte. Außerdem sollte sie französisch wirken, und ich vermutete, dass das Rouge dazu beiträgt. Ihre deutsch-französische Herkunft bekam sie erst zwei Tage später, als sie dieses Gesicht schon hatte.

Aus der Beschreibung entstanden vier Gesichter. Eines fand ich am besten und ließ ähnliche Varianten davon erzeugen. Eine Viertelstunde später schrieb ich:

Fast gut. Wir brauchen einen deutlich sichtbareren Pony.

Am frühen Abend schrieb ich, die Figur passe jetzt. Spät am Abend legte ich fest, welche Bilder für ihr Gesicht gelten. Es sind wenige: das Bild, das ich am Nachmittag gewählt hatte, und einige Varianten davon, darunter die mit dem deutlicheren Pony.

Eine Beschreibung legt fest, was zu einem Gesicht gehört, aber nicht das Gesicht selbst. Aus denselben Worten waren am 23. September vier verschiedene Frauen entstanden, und festgelegt haben Lunes Gesicht erst die Bilder, die ich am Abend ausgewählt habe. Seitdem muss es auf jedem neuen Bild dasselbe bleiben. Von selbst tut es das nicht.

Ein Maßstab statt einer Kette

Ein Foto zeigt immer denselben Menschen. Ein erzeugtes Gesicht entsteht mit jedem Bild neu, denn das Bildmodell deutet Beschreibung und Vorlagen jedes Mal ein wenig anders. In der Bildgenerierung heißt das Drift. Das Gesicht wandert von Bild zu Bild ein Stück, meist so wenig, dass es auf einem einzelnen Bild kaum auffällt, manchmal mehr. Am 24. September ging ich eine neue Reihe von Bildern durch. Auf einem sah Lune aus wie jemand anderes, auf allen übrigen wie sie selbst. Ein einzelnes Bild lässt sich aussortieren.

Gefährlicher wird eine Abweichung, wenn sie weitergegeben wird. Für das erste Video, einen Spaziergang durch New York, haben wir am 24. und 25. September Bilder von ihr erzeugt und dabei frühere Ergebnisse wieder als Vorlage verwendet. Jedes Bild reichte seine kleine Abweichung an das nächste weiter, und die Abweichungen summierten sich wie bei der Stillen Post. Auf den späteren Bildern waren die Augen enger, die Nasenspitze anders geformt, Mund und Kinn anders geschnitten und die Haut glänzender.

Drei Gesichter, links Lune mit Sommersprossen und Rouge, daneben zwei nächtliche Versuche mit engeren Augen und glänzender Haut, KI-generiert
Links Lune, ein Ausschnitt aus einem der freigegebenen Bilder. Die beiden anderen sollten sie nachts in der Stadt zeigen und stammen aus den ersten Versuchen für das Video, in der Mitte vom 24., rechts vom 25. September. In der Mitte wirken die Augen enger und Nasenspitze, Mund und Kinn anders geformt, rechts glänzt dazu die Haut, und das Gesicht sieht mehr nach Model aus. KI-generiertes Bild.

Am Morgen des 25. September schrieb ich:

Auf den neuen Bildern für das Video weicht ihr Gesicht leicht ab und sieht mehr nach Model aus. Ich will einen neuen Versuch starten, aber Lune muss aussehen wie auf den freigegebenen Bildern.

In derselben Nachricht schlug ich vor, zuerst ein Model-Sheet anzulegen. So heißt eine Tafel, die dasselbe Gesicht von mehreren Seiten und mit mehreren Ausdrücken zeigt. Im Zeichentrickfilm sorgt sie dafür, dass eine Figur bei jedem Zeichner gleich aussieht. Ich wollte das Sheet sehen, bevor neue Bilder für das Video entstehen.

Der neue Versuch ging von den freigegebenen Bildern aus, und mit ihm entstand am selben Tag das erste Video. Seitdem sind diese wenigen Bilder der Maßstab für ihr Gesicht. Was danach entsteht, wird nicht wieder zur Vorlage, es sei denn, ich gebe es ausdrücklich frei. Jedes neue Bild prüfen wir neben ihnen, denn eine Abweichung, die man einem einzelnen Bild nicht ansieht, fällt im direkten Vergleich auf.

Für diesen Beitrag haben wir ein neues Model-Sheet angelegt, nur aus den freigegebenen Bildern. Es entstand Reihe für Reihe, denn eine Tafel mit vielen Gesichtern gelingt in einem einzigen Bild nicht zuverlässig. Oben steht ihr Kopf von vier Seiten, darunter stehen ihre Ausdrücke vom ruhigen Gesicht bis zum offenen Lachen, unten Nahaufnahmen von Pony, Augen und Sommersprossen. Auch das Sheet ist ein erzeugtes Bild. Bevor es hier stehen durfte, musste es sich an den freigegebenen Bildern messen lassen wie jedes andere.

Model-Sheet von Lune, oben ihr Kopf von vorn bis ins Profil, darunter vier Ausdrücke bis zum Lachen, unten Nahaufnahmen und ihr Outfit, KI-generiert
KI-generiertes Bild.

Echt statt makellos

Auffällig war die Richtung. Schon am 24. September hatte ich zu Testbildern notiert, sie sehe darauf eine Spur mehr nach Model aus und ein wenig weniger authentisch. Zweimal in zwei Tagen wich ihr Gesicht in dieselbe Richtung ab.

Das ist ein bekanntes Verhalten von Bildmodellen. Sie ziehen ein Gesicht von sich aus zu dem hin, was in Werbung und Mode als gelungenes Foto gilt, mit glatter Haut und ebenmäßigen Zügen. Dagegen steht, was ich am 25. September für Lune festgehalten habe:

Sie muss das bezauberndste Lächeln der Welt haben. Einige der freigegebenen Bilder zeigen sie schon perfekt und natürlich. Wichtig ist: Sie ist kein Model, sie ist natürlich schön.

Natürlich schön heißt Sommersprossen, Poren, Rouge, leicht unordentliche Haare und gewöhnliches Tageslicht. Alles, was nach Shooting oder Beauty-Retusche aussieht, gilt als Fehler, auch wenn es schöner wirkt. Ihr Lächeln soll echt sein, mit Augenfältchen, nie gestellt und nie zahnpastaweiß, und gemessen wird es an einem der freigegebenen Bilder, auf dem sie offen lacht. Von selbst liefert ein Bildmodell das nicht zuverlässig. Man muss es bei jedem Bild ausdrücklich verlangen.

Zu einer Figur, die auf jedem Bild dieselbe sein soll, gehören auch Kleinigkeiten. Lune hat feste Muttermale und eine kleine Narbe. Seit dem 24. September werden ihre Bilder mit Haut ohne Merkmale erzeugt, und ich setze Muttermale und Narbe danach von Hand ein, immer dieselben an derselben Stelle.

Bei bewegten Bildern stößt das Einsetzen von Hand an eine Grenze. Am selben Tag schrieb ich:

Im Video fehlt das Muttermal am Hals, und das kann ich nicht wie bei einem Bild nachträglich ergänzen. Sollen wir es ganz weglassen? Dabei macht gerade das die Figur so viel echter.

Weggelassen haben wir es nicht.

Was offen ist

Seit dem 23. September hat Lune dieses eine Gesicht, und neue Bilder von ihr entstehen aus denselben wenigen freigegebenen Bildern.

Ganz ausschließen lässt sich nicht, dass ein erzeugtes Gesicht zufällig einem echten Menschen ähnelt. Im Projekt gilt die Regel, dass Lune keinem echten Menschen ähneln darf, und wer an ihr arbeitet und eine Ähnlichkeit bemerkt, meldet sie. Das gilt auch jetzt, wo ihr Gesicht öffentlich ist.

Offen ist, wie Muttermale und Narbe in ein Video kommen, denn dort lassen sie sich nicht von Hand setzen.

Daniel Lehmann, DXMedia. Wie wir mit KI arbeiten: dxmedia.de/ki